Selbstständig sein hat definitiv viele Vorteile. Ein Nachteil allerdings, dass das Thema Rente und Alter noch in weiter Ferne steht. Für uns erst mal nicht relevant, aber wer nicht richtig vorsorgt, für den kommt früher oder später ein böses Erwachen. Ich bin ja generell ein Zahlenmensch, daher habe ich mich schon sehr früh damit beschäftigt und möglichst viel gerechnet. Was ist wann sinnvoll, wie viel muss ich sparen, anlegen und zurücklegen, um zum Zeitpunkt X Betrag X zur Verfügung zu haben. Ich liebe es. Wer es weniger liebt, aber dennoch wissen möchte, wie er die Altersvorsorge als Selbstständiger angehen soll, liest einfach weiter.

Gesetzliche Rentenversicherung oder eigene Vorsorge?

Zuerst einmal: Du als Selbstständiger hast die Qual der Wahl. Willst du in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen oder lieber selbst vorsorgen?

  • Gesetzliche Rentenkasse: Auch hier gibt es mehrere Optionen. Einige Selbstständige unterliegen der Pflicht, in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen zu müssen. Wieder andere Selbstständige können sich von der Pflicht befreien lassen oder sind automatisch befreit. In diesem Fall müssten sie aber eine private Altersvorsorge planen. Ich als Geschäftsführerin bin beispielsweise eigentlich verpflichtet, aber in meiner Situation (Anteile, Gehalt etc.) bin ich befreit. Es kommt also ganz auf den Einzelfall an. Übrigens ist schon seit 2019 eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige im Gespräch.
  • Private Altersvorsorge: Die Alternative zur Einzahlung in die gesetzlichen Rentenkasse ist eine eigene Vorsorge. Hier wird für Selbstständige oft die Rürup-Rente genannt, aber auch eine private Rentenversicherung kann für Unternehmer sinnvoll sein.

Was sagt Stiftung Warentest?

Wer Stiftung Warentest hört, denkt, dass das Unternehmen nur Autositze und weitere Produktarten testet. Weit gefehlt. Auch Vorsorgevarianten hat sich Stiftung Warentest schon vorgeknöpft. Der Test ist aus März 2018, daher ist er mit Vorsicht zu genießen, da das Thema Vorsorge extrem schnelllebig ist. Zu beachten ist außerdem, dass man bei dem Test von einem Modellkunden ausgegangen ist, der für seine Altersvorsorge 30 Jahre lang fiktiv einzahlt.

Das Fazit für diesen Modellkunden: Würde er monatlich 600 Euro einzahlen, dann läge die Rente (je nach Situation und Rentenanpassung) bei folgenden Werten:

  • Gesetzliche Rente: 1273 bis 1710 Euro monatlich
  • Rürup-Rente oder private Rentenversicherung: 987 bis 1650 Euro

Wie man sieht: Gar nicht so extrem unterschiedlich, was bedeutet, dass du auch als Selbstständiger und ohne gesetzliche Rentenkasse sinnvoll vorsorgen kannst. Pauschale Aussagen lassen sich aber natürlich trotzdem nicht treffen. Deine Situation ist eine andere wie meine Situation und würden wir fünf weitere Leute fragen, wäre es fünffach individuell. Es ist jeweils ein Einzelfall, weshalb du abwägen musst, was zu dir passt.

Nach welchen Kriterien soll ich mich entscheiden?

Achte bei der Wahl einer passenden Altersvorsorge darauf, dass sie zu deinem finanziellen Spielraum passt. Wenn du planst, 600 Euro für die Vorsorge auszugeben, aber diese 600 Euro monatlich nicht hast, dann ist das ein schlechter Plan. Nutze außerdem mögliche Steuervorteile, die je nach Situation verschieden sein können.

  • Steuervorteile nutzen: Ganz gleich, welche Altersvorsorge du nutzt, das Thema Steuern ist in jedem Fall wichtig. Teilweise warten lukrative Steuervorteile bei der Rürup-Rente und anderen Varianten auf dich, weshalb der Punkt unbedingt beachtet werden sollte. Bei der Rürup-Rente erhältst du als Selbstständiger beispielsweise viele Vorteile. Du kannst einen gewissen Betrag jährlich geltendmachen. Deine ganz persönliche Steuerlast lässt sich somit extrem senken, wenn man die anrechenbaren Anteile der Rürup-Rente miteinbezieht. Natürlich ist das zum Teil auch mit der gesetzlichen Rentenversicherung möglich. Diese schneidet teilweise auch besser ab. Vorteilhaft bei der Rürup-Rente ist aber, dass du insgesamt deutlich mehr einzahlen kannst. Dadurch erhöht sich am Ende auch die Rente deutlich.
  • Steuern auf die Rente zahlen: Sowohl bei der gesetzlichen Rente als auch bei der Rürup musst du im Alter Steuern zahlen. Die Privatrente punktet aber deutlich, da nur ein gewisser Ertragsteil auch steuerpflichtig ist. Je nach Einnahmen werden vielleicht auch gar keine Steuern fällig, wenn der Ertragsteil unter dem steuerlichen Grundfreibetrag liegt. Wenn du dagegen ab 2040 in die Rente einsteigst, dann bist du mit der gesetzlichen Rentenversicherung und auch mit Rürup leider komplett steuerpflichtig. Es kommt also auch noch auf dein jetziges Alter an. Immerhin fallen die Steuern durch die nachgelagerte Besteuerung geringer aus.
  • Berücksichtige Sozialabgaben: Auf die Rente werden (abgesehen von den Steuern) auch Sozialabgaben fällig. Bist du gesetzlich krankenversichert, zahlst du (abhängig des Zusatzbeitrags deiner Krankenkasse und eventuellen Kindern) einen bestimmten Prozentteil. Beziehst du eine Privatrente oder Rürup-Rente, dann musst du als Pflichtversicherter in einer gesetzlichen Krankenversicherung allerdings keine Abgaben zahlen. Bist du freiwillig versichert, dann schon. Es gibt aber natürlich auch hier Ausnahmen und Regeln sowie die Regeln von den Ausnahmen und die Ausnahmen von den Regeln. Du weißt schon.

Welche Altersvorsorge nehme ich jetzt als Selbstständiger?

Wie du siehst: Das Thema Altersvorsorge ist ein unendlich großes Feld, bei dem zehn Blog-Beiträge nicht alles aufzeigen könnten, was wichtig ist. In dem Moment, wo ich es schreibe, könnte es zudem direkt wieder veraltet sein.

  • Gesetzliche Rentenversicherung:
    • Vorteile: Du hast eventuell Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente und die Hinterbliebenenrente und bist sehr flexibel.
    • Nachteile: Die Entwicklung der Rentenkasse ist für dich nicht abzusehen, es gibt zudem keine einmalige Auszahlung und du musst Sozialabgaben auf die Rente abführen.
  • Private Rentenversicherung:
    • Vorteile: Du hast die Möglichkeit, eine Einmalauszahlung in Anspruch zu nehmen, du zahlst nur Steuern auf den Ertragsanteil und bist daher sehr flexibel.
    • Nachteile: Die Rendite ist aber eher gering und teilweise verursacht die Versicherung hohe Kosten, nach Vereinbarung ist eine Rente für Hinterbliebene möglich.
  • Rürup-Rente:
    • Vorteile: Du bist sehr flexibel und kannst bis zu 88 Prozent (Stand 2019) steuerlich absetzen, außerdem zahlst du keine Sozialabgaben auf die Rente.
    • Nachteile: Auch hier ist keine Einmalauszahlung möglich und die Rente für Hinterbliebene gibt es nur nach Vereinbarung, die Steuervorteile (die durchaus gegeben sind) sprechen aber vor allem Besserverdiener an.

Wähle also individuell, was du dir als Selbstständiger passt. Für Stiftung Warentest ist die Privatrente eher durchgefallen. Bei der Frage, ob die gesetzliche Rentenversicherung oder die Rürup besser geeignet ist, kommt es wiederum darauf an. Deine individuellen Lebensumstände sind entscheidend. Bei schwankenden Einkünften punktet die Rürup-Rente. Wenn es dir vorrangig noch um weitere Leistungen geht, dann könnte die gesetzliche Rente besser geeignet sein. Als Gutverdiener bist du ebenfalls eher bei der Rürup besser aufgehoben.