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Maria Lengemann
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Mindset

Ziele setzen als Selbstständiger: warum schwammige Vorsätze nichts bringen

ML Maria Lengemann ·23. Mai 2026 ·9 Min Lesezeit
Ziele setzen als Selbstständiger: warum schwammige Vorsätze nichts bringen

„Ich möchte mehr Umsatz machen.“ Das schreiben sehr viele Selbstständige auf einen Zettel und sind danach erstaunt, dass nichts passiert. Ja, der Vorsatz ist da. Trotzdem fließt am Monatsende immer noch derselbe Betrag wie vorher. Warum? Weil schwammige Vorsätze nichts bringen. Ziele setzen als Selbstständiger funktioniert nur, wenn das Ziel so konkret ist, dass es fast schon wehtut. Das klingt zwar simpel, ist es aber nicht. Die meisten Selbstständigen haben gelernt, ihre Ziele entweder so groß zu formulieren, dass sie unrealistisch wirken, oder so vage, dass niemand merkt, wenn sie verfehlt werden. Beides hilft nicht.

Weißt du eigentlich, was du willst?

Bevor du irgendwelche Zahlen aufschreibst, geht es um die ehrlichere Frage zuerst. Was willst du eigentlich erreichen? Nicht, was sollst du laut Instagram-Coach erreichen oder was machen alle anderen. Frag dich stattdessen, was wirklich zu dir passt.

  • Möchtest du endlich deine Selbstständigkeit starten und Unternehmer werden?
  • Möchtest du finanziell freier werden, also so viel verdienen, dass du deine Kosten gelassen abdeckst?
  • Möchtest du dein bestehendes Business lukrativer machen und einfach mehr Geld verdienen?
  • Möchtest du dein Angebot so umstrukturieren, dass du mehr freie Zeit für deine Familie hast?

Was ist dein persönlicher Antrieb? Schreibe ihn auf. Einzelne Wörter reichen, kreuz und quer auf einen Zettel, mit Pfeilen, mit Markierungen. Es geht hier erst mal nur um Klarheit, nicht um Schönheit.

Konkret werden … ganz konkret

Jetzt kommt der wichtigste Schritt, den die meisten überspringen. Schau dir an, was du aufgeschrieben hast. Wahrscheinlich liest sich das so:

  • selbstständig werden
  • mehr Geld verdienen
  • mehr Zeit für die Familie
  • Bekannter werden

All das sind keine Ziele. Das sind Wünsche. Wenn du eine Selbstständigkeit starten willst, schreibst du eben nicht „selbstständig werden“, sondern: „Ab dem 1. September 2026 melde ich mein Nebengewerbe an.“ Möchtest du mehr Geld verdienen, dann schreibst du nicht „mehr Geld“, sondern: „Ab November 2026 verdiene ich 500 Euro mehr pro Monat.“ Oder: „Ab sofort verlange ich 10 Prozent mehr für meine Hauptleistung.“

Sei so konkret wie möglich. Du wirst sehen, dass es einen riesigen Unterschied macht, wenn du dein Ziel mit einer Zahl, einem Datum und einer Maßnahme aufschreibst.

Im Business-Kontext sind Zahlen und Prozentwerte umso wichtiger. Sie geben dir einen Maßstab, an dem du später ablesen kannst, ob du dem Ziel näher gekommen bist oder nicht.

Streich es durch und schreibe es neu

Das ist eine Aufgabe, die fast alle erst nach längerem Probieren wirklich machen. Wenn dein erstes Ziel zu schwammig war (es ist meistens zu schwammig), dann streiche es durch. Schreib ein neues, sehr konkretes Ziel auf. Verwende dafür dasselbe Papier, denselben Stift, aber das Ganze in einer neuen Zeile. Wichtig ist auch, dass du es nicht nur im Kopf durchgehst und dir merkst oder eine App verwendest. Das ist zwar bequem, aber nicht hilfreich.

Mach es stattdessen auf Papier! Warum? Weil dein Gehirn etwas anderes mit handgeschriebenen Zielen macht als mit getippten. Es nimmt sie unweigerlich ernster. Das klingt ein bisschen esoterisch, ist aber eine ziemlich gut belegte psychologische Sache. Probier’s einfach aus. 😉

Nicht zu klein denken, nicht zu groß denken

An diesem Punkt machen die meisten den nächsten Fehler. Sie denken zu klein. „Ach, 500 Euro mehr im Monat ist sicher unrealistisch.“ Oder sie denken zu groß. „Ich will im nächsten Jahr 250.000 Euro Umsatz machen, also sieben Mal so viel wie jetzt.“

Beides bringt nicht viel. Wenn du zu klein denkst, dann fehlt der Antrieb. Wenn du zu groß denkst, dann fehlt Glaubwürdigkeit und du gibst beim ersten kleinen Tief auf.

Was hilft: Stell dir das Ziel ganz konkret vor. Wenn du 500 Euro mehr im Monat verdienen würdest, was würde sich verändern?

  • Würdest du dir mehr Lebensmittel im Bio-Laden kaufen?
  • Würdest du in den Urlaub fahren, ohne nachzurechnen?
  • Würdest du dir endlich einen Steuerberater leisten?

Mach das Ziel greifbar. Generell sind Menschen mit Prognosen sehr pessimistisch. Sie unterschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können, und überschätzen, was sie in einer Woche schaffen. Beides verzerrt deine Zielsetzung.

Stell dich dem und kalkuliere deine Ziele realistisch, nicht zu groß und nicht zu klein.

Finde heraus, was du dafür tun musst

Jetzt steht ein konkretes Ziel auf deinem Zettel. Nicht „mehr Umsatz“, sondern eine Zahl. Nicht „mehr Zeit“, sondern eine konkrete Stundenzahl pro Tag oder Woche. Schön! Jetzt geht es ans Eingemachte. Wie kommst du dahin?

Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt keine Universal-Antwort, aber ein paar Beispiele zeigen das Prinzip:

Dein Ziel ist 5 Prozent Umsatzsteigerung im Monat. Mögliche Maßnahmen:

  • Du akquirierst neue Kunden.
  • Du erhöhst deine Preise.
  • Du erweiterst dein Portfolio um eine zusätzliche Leistung.
  • Du arbeitest mit Bestandskunden daran, dass sie zusätzliche Aufträge geben.

Vier verschiedene Wege zum selben Ziel. Welcher passt zu dir?

Dein Ziel ist eine Stunde mehr Familienzeit pro Tag. Mögliche Maßnahmen:

  • Du arbeitest am Zeitmanagement, also denselben Output in weniger Stunden.
  • Du stehst eine Stunde früher auf, sodass du früher fertig bist.
  • Du senkst deinen Umsatz und arbeitest weniger, aber verdienst auch weniger.
  • Du delegierst eine bestimmte Aufgabe an jemanden anderen.

Wieder mehrere Wege. Schreib dir mögliche Maßnahmen auf (nicht nur eine, sondern mehrere). Es geht in dieser Phase noch nicht um die richtige Wahl. Du musst nur erst mal das Spektrum kennenlernen.

Überprüfe die Maßnahmen auf Machbarkeit

Du hast jetzt eine Liste mit möglichen Maßnahmen. Manche davon sind theoretisch sinnvoll, aber praktisch kaum umsetzbar. Das ist okay, denn genau dafür ist dieser Schritt da.

Geh die Liste jetzt durch und frag dich bei jeder Maßnahme frage:

  • Ist das wirklich umsetzbar in meiner aktuellen Situation?
  • Habe ich die Zeit dafür?
  • Habe ich das Geld dafür?
  • Habe ich die Energie dafür?
  • Habe ich die Kontakte dafür?

Hier darfst du absolut nicht tricksen. Unser Gehirn neigt dazu, sich Dinge schönzureden.

„Ach, 30 Anrufe pro Woche schaffe ich locker.“ Wirklich? Hast du das vor zwei Wochen, als du dir das vorgenommen hast, geschafft? Eben. 😉

Lass dich nicht von dir selbst veräppeln. Was nicht machbar ist, fliegt von der Liste. Was machbar ist, bleibt. Idealerweise hast du am Ende zwei oder drei Maßnahmen, die realistisch sind.

Eine Maßnahme aussuchen

Aus den realistischen Maßnahmen suchst du dir genau eine aus (eine, nicht zwei oder drei). Fängst du mit zu vielen Baustellen gleichzeitig an, dann kommst du selten irgendwo an.

Welche Maßnahme nimmst du? Die, die den größten Hebel hat und gleichzeitig nicht zu viel Anlauf braucht. Eine Maßnahme, die theoretisch toll ist, aber drei Monate Vorbereitung braucht, ist nicht der richtige Startpunkt. Eine Maßnahme, die du nächste Woche beginnen kannst und die spürbar etwas bewegt, schon eher.

Atme einmal tief durch

An diesem Punkt machen viele Selbstständige eine Pause. Absolut verständlich, denn auf dem Zettel steht jetzt etwas Konkretes. Es kann eine Zahl sein, ein konkretes Datum oder auch die genaue Maßnahme. Jetzt fühlt es sich für dich vielleicht zum ersten Mal richtig echt an. Genau deshalb halten viele aber inne. Sie spüren, dass jetzt etwas von ihnen verlangt wird. Nämlich das Tun …

Du denkst nicht mehr nur darüber nach, sondern legst jetzt wirklich los.

Atme einmal tief durch. Das gehört dazu, aber bleib dran.

Der nächste Schritt ist es nun, deine ausgewählte Maßnahme so aufzubereiten, dass du sie auch wirklich umsetzt. Wie das geht, ist ein Kapitel für sich.

Ein konkretes Beispiel aus dem Alltag

Stell dir vor, du sitzt morgens an deinem Schreibtisch und sagst dir: „Ich will dieses Jahr mehr verdienen.“ Was passiert in den nächsten Wochen? Wahrscheinlich nichts. Weil dieses Ziel keine Konsequenz hat. Es gibt keinen Tag, an dem du es als verfehlt oder erreicht abhaken könntest.

Stell dir jetzt vor, du sagst stattdessen: „Bis zum 30. Juni 2026 habe ich drei zusätzliche Kunden aus der Coach-Branche gewonnen. Jeder bringt mir mindestens 1.500 Euro Monatsumsatz. Ab Juli verdiene ich also mindestens 4.500 Euro mehr pro Monat als heute.“

Plötzlich ist das Ziel etwas, das du täglich am Spiegel der Realität messen kannst. Du weißt jetzt, was du tun musst. Du musst Coaches kontaktieren, Angebote machen und nachfassen. Aus einem nebulösen Wunsch wird ein operatives Programm.

Warum schwammige Ziele tröstlich sind

Hier kommt eine ehrliche und gleichzeitig total unangenehme Beobachtung. Schwammige Ziele sind tröstlich. Wer sie sich setzt, kann nicht scheitern. „Mehr Umsatz machen“ ist immer ein bisschen wahr, irgendetwas wird sich schon verändert haben. Niemand kann dir sagen: „Du hast dein Ziel verfehlt“, weil es kein klares Ziel gab.

Konkrete Ziele sind das Gegenteil, nämlich absolut unbequem. Wenn du dir vornimmst, drei Coach-Kunden bis Juni zu gewinnen, und im Juli sind es nur zwei, dann hast du es nicht ganz geschafft. Das ist erst einmal nicht schön, aber es ist informativ.

Genau diese Information bringt dich weiter. Schwammige Ziele bringen dich nicht weiter. Sie schenken dir nur eine angenehme Lüge.

Wer Ziele setzt, setzt sich auch unter eine Form von Druck. Aber dieser Druck ist freiwillig, du hast ihn dir selbst gegeben. Du kannst ihn jederzeit anpassen. Genau das unterscheidet ihn von Druck, der von außen kommt. Selbstgesetzter Druck macht produktiv, fremdgesetzter Druck macht müde. Wenn du das einmal erlebt hast (und den Unterschied verstehst), willst du nicht mehr zurück.

Was bei mir richtig gut funktioniert hat

Ich gebe ehrlich zu … Ziele setzen ist auch bei mir nicht immer so glasklar. Was bei mir funktioniert ist Folgendes: Ich schreibe Quartalsziele auf einen Zettel, der über meinem Schreibtisch hängt (also bewusst nicht digital). Es ist einfach nur ein Zettel, aber meine Lieblingsfarbe (Pink!). Jeden Morgen schaue ich kurz drauf. Und im Spiegel der drei Monate weiß ich dann genau, ob ich näher dran bin oder nicht.

Das klingt total unspektakulär, aber es funktioniert.

Du schaffst das auch.

Mach einfach!

Maria Lengemann

Maria Lengemann

Romanautorin, Journalistin und KI-Content-Managerin. Schreibt seit 2009 beruflich und seit 2023 eigene Psychothriller. Hier teilt sie, was sie aus der täglichen Arbeit mitnimmt.

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