Rückkehr der Engel: Die Angelussaga 1 – Marah Woolf

22. August 2021

Eigentlich beginnt die Angelussaga von Marah Woolf mit einer sehr schönen Idee – die Engel sind auf die Erde zurückgekehrt. Leider stellt sich alles an nicht so wundervoll heraus, wie es hätte sein sollen. Die Engel sind grausame Wesen, die die Menschen bekämpfen, da sie in ihren Augen ein Schöpfungsfehler sind.

Mittendrin: Moon. Die starke Protagonistin des Buchs lebt zusammen mit ihren Geschwistern im zerstörten Venedig. Dort kämpft sie in der Arena, um sich das Geld für eine Flucht aus der Stadt zu verdienen. Obwohl sie es nicht will, so stolpert Moon über den Engel Cassiel und entgegen allen üblichen Meinungen über Engel hilft sie dem verletzten Wesen. Dennoch möchte sie auf keinen Fall in den Fokus der Engel geraten, doch das ist gar nicht so einfach, wenn sie dem Fürsten der Hölle Lucifer ständig über den Weg läuft …

Das Wichtigste zum Buch “Angelussaga 1”

Buchtitel: Rückkehr der Engel (Angelussaga 1): Die Angelussaga 1

Autor: Marah Woolf

Veröffentlichung: 4. November 2019

Seiten: 384 Seiten

Sprache: Deutsch

Herausgeber: Piper Fantasy

ISBN: 3492706010 (ISBN-10)

 

Zum Buch

Das Cover

Im Regal hätte mich das Cover von Caroline Liepins wohl nicht besonders angesprochen, denn das Gesicht mit geschlossenen Augen sowie die helle Farbe entsprechen nicht unbedingt meinem Geschmack. Dennoch ist es ein gelungenes Cover für Marah Woolfs Saga-Auftakt, welches vor allem durch die sanften Farben und die klare Schrift stimmig wirkt. Auf dem Coverbild selbst ist “Angelussaga” nicht zu sehen, stattdessen prangt der Titel des ersten Teils über dem Autornamen: Rückkehr der Engel. Somit wird nicht auf den ersten Blick klar, dass es sich um einen Mehrteiler handelt.

Die Kapitel

Die Autorin Marah Woolf unterteilt den ersten Angelussaga-Teil Buch der Engel in 16 Kapitel. Bei 356 Seiten ist das eine angenehme Länge. Sehr schön finde ich die filigranen Zeichnungen, die in den Kapiteln zu finden sind. Normalerweise überlassen Autoren dem Leser komplett die Fantasie, doch hier wird zumindest ein kleines bisschen mitgeholfen. Am Ende wartet ein sehr umfangreicher Anhang auf die Leser, in dem unter anderem die himmlische Engelsordnung, alle Figuren und vieles mehr erläutert werden.

Die Idee

Wenn ich ein Buch über Engel lese, dann sind diese Geschöpfe meist ausnahmslos gut. Sie sind schön, wild, stark und vor allem erhaben und positiv. Bei der Angelussaga finde ich es daher sehr erfrischend, dass die Engel nicht zwangsweise diese Rolle erfüllen. Sie erinnern eher an die alten Römer, die sich bei Brot und Spielen vergnügen und insgesamt eher blutrünstig statt liebevoll beschrieben werden.

Durch diese Idee ist die Rückkehr der Engel und die gesamte Saga definitiv etwas Besonderes. Das Buch folgt nicht sämtlichen Klischees über Engeln, sondern geht seinen eigenen Weg.

Wobei ich an der Stelle anmerken muss, dass es sich natürlich immer noch um Romantasy handelt. Schlussendlich gibt es also auch ein paar gute Seiten an den Engeln, die hübsche Protagonistinnen nur herauskitzeln müssen. Man kennt das – aber genau so wollen wir es ja nun auch mal bei Romantasy.
 

Die Handlung (Spoiler-frei)

Wie aus dem Titel bereits deutlich hervorgeht, geht es im ersten Teil der Angelussaga um Engel. Diese sind auf die Erde zurückgekehrt, aber alles andere als liebevoll. Stattdessen werden sie als grausame Geschöpfe beschrieben, die Menschen als Schöpfungsfehler ansehen und daher bekämpfen. Mitten in all dieser Grausamkeit, die sich im Übrigen in einer dystopischen Version von Venedig abspielt, ist die kleine Moon unterwegs.

Die starke Protagonistin kämpft in der Arena von Venedig, um für sich und ihre Geschwister das Überleben zu sichern. Gleichzeitig möchte sie damit Geld verdienen, um gemeinsam mit den kleinen Geschwistern aus der Stadt zu fliehen.

Doch wie man es aus guten Büchern kennt, so kommt es natürlich anders als geplant. Moon stolpert wortwörtlich über einen verletzten Engel. Ihre positiven Charakterzüge verleiten sie dazu, den Engel nicht zu ignorieren, sondern sie hilft ihm. Das ist für Menschen durchaus riskant, weshalb sie hofft, keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch auch hier ist natürlich Stress vorprogrammiert, denn ausgerechnet der Fürst der Hölle Lucifer scheint sich für Moons Aktivitäten zu interessieren.

Die Protagonisten

Im Fokus von der Rückkehr der Engel stehen die Charaktere Moon, Cassiel und Lucifer.

  • Moon: Wie bereits erwähnt steht vor allem Moon in Rückkehr der Engel im Fokus. Sie hat bereits früh die Mutterrolle übernommen und ist für ihre Zwillingsschwester Star sowie für ihren kleinen Bruder Tizian verantwortlich. Moon leistet einiges, um ihre Familie zu beschützen. Sie versucht dabei verantwortungsbewusst zu sein, aber entscheidet auch gerne aus dem Bauch heraus. Dennoch hat sie die Fähigkeit zu reflektieren, ist aber auch gerne aufmüpfig.
  • Cassiel: Der Engel Cassiel wirkt sehr sympathisch und offen. Er hilft vor allem dabei, Moon beim Offenbaren ihrer Gefühle zu helfen, wobei der Funke bei mir persönlich nicht übergesprungen ist. Cassiel ist super und vor allem nett, aber das gewisse Extra hat noch gefehlt.
  • Lucifer: Wie so oft, gibt es in einer Romantasy-Saga meist mehrere Männer, die wir LeserInnen uns aussuchen können. Wem Cassiel nicht gefällt, der liebäugelt vielleicht mit Lucifer. Er ist der Herrscher der Unterwelt und wird von Marah Woolf auch genau so präsentiert. Er liebt es, Moon zu bevormunden, taucht ständig auf, rettet Moons Leben, ist anschließend aber wieder ein gewaltiges …. Was sollen wir davon nur halten?

Die Moral

Auf den ersten Blick ist die Rückkehr der Engel ein ganz neuer Ansatz, da die Engel nicht standardisiert dargestellt werden. Dennoch verläuft das Buch auf einem recht bekannten Weg, wie man es für Romantasy-Bücher kennt. Eine starke und junge Frau opfert sich toughe für ihre Lieben auf, schaltet ihre Gefühle aus und kämpft gegen das Böse. Dann passiert das Unvorhergesehene (was wir LeserInnen natürlich dann doch irgendwie vorhersehen und auch wollen) und sie entwickelt Gefühle. Das Schema ist uns also bekannt, aber Marah Woolf schafft es in der Rückkehr der Engel, dennoch eine gewisse Einzigartigkeit beizubehalten.

Ich denke, das liegt vor allem an der Umgebung. Die Charaktere entspringen einigen Klischees (abgesehen davon, dass Männer eben Engel sind). Die dystopische, altertümliche, aber dennoch romantische Beschreibung von Venedig macht das Ganze jedoch sehr individuell. Zusammen mit den vielen ethischen und moralischen Fragen, die Marah in ihrem Buch aufwirft, ist der Stil und die Geschichte insgesamt sehr stark.

Es geht um Unterdrückung und die Tatsache, dass sich kein Geschlecht der Welt das Recht herausnehmen darf, andere zu unterdrücken. Auch das Leben Unschuldiger wird thematisiert. Es handelt sich daher um ein Werk mit auch sehr gesellschaftskritischen Aspekten, die wiederum zum Nachdenken anregen.

Der Sprachstil

Schlussendlich möchte ich noch ein paar Worte zur Autorin Marah Woolf verlieren. Sie ist nicht ohne Grund meine Lieblingsautorin und hat sich daher auch den ersten Platz in meinen Rezensionen gesichert. Ich lese ihre Bücher schon mehrere Jahre und vor allem die Angelussaga ist mir extrem positiv im Gedächtnis geblieben. Warum? Kann ich gar nicht so einfach in Worte fassen. Alle Bücher von Marah sind in Sachen Schreibstil extrem gelungen. Sie erzählt die Geschichte simpel, direkt und ohne viele Ausschweifungen. Dennoch ist der Schreibstil leicht und spritzig, ein wenig Augenzwinkern ist dabei und die Ich-Perspektive passt zudem sehr gut zum Genre. Besonders bei der Rückkehr der Engel und auch den späteren Teilen der Angelussaga hat es mich jedoch so sehr gefesselt, dass ich das Buch bzw. meinen Kindle kaum aus der Hand legen konnte. Was wie ein banales Klischee klingt, trat bei diesem Buch tatsächlich ein (wobei es bei mir vor allem bei Teil 2 sehr heftig losging).

Meine Wertung: Dystopisch, mystisch, emotional

Die Rückkehr der Engel ist der erste Teil der Angelussaga von Marah Woolf. Die Reihe besteht aus drei Büchern, die ich insgesamt in kürzester Zeit verschlungen habe. Gerade Teil 2 hat es mir angetan. Mehr möchte ich an der Stelle allerdings nicht verraten, doch ihr werdet nicht enttäuscht sein. Fakt ist, dass ich das Buch (obwohl mir das Cover nicht so gut gefiel) ausnahmslos allen Fantasy-, vor allem aber Romantasy-LeserInnen empfehlen kann. Ausnahmslos und ohne Einschränkung.
 

Buchtitel 8
Cover 7
Idee 9
Szenerie 10
Spannungsbogen 9
Protagonisten 9
Emotionen 10
Schreibstil 10
Gesamt 9 von 10 Punkten

Abonniere jetzt meinen Newsletter

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN …

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.